Altersarmut wächst - Mix am Mittwoch
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Altersarmut wächst

63 Prozent mehr Frankfurter beziehen in den letzten zehn Jahren „Alters-Hartz-IV“

Die Altersarmut ist auf dem Vormarsch: Die Zahl der Menschen, die in Frankfurt neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, ist in den vergangenen zehn Jahren um 63 Prozent gestiegen.

1941 Bezieher von „Alters-Hartz-IV“ zählte der Kreis zuletzt, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die sich dabei auf Angaben des Statistischen Landesamts bezieht.

Zum Vergleich: Im Main-Taunus-Kreis ist die Zahl um 52 Prozent auf aktuell 1816 Bezieher von „Alters-Hartz-IV“ gewachsen, in Frankfurt am Main um 63 Prozent auf 15 671.

NGG Rhein-Main-Geschäftsführer Peter-Martin Cox nennt die Zahlen einen „Weckruf“ und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. „Zwar ist die Rentenkasse so gut gefüllt wie lange nicht, aber Geringverdiener profitieren kaum von der nächsten Erhöhung“, so Cox. Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart.

Verschärfen dürfte sich die Lage in den nächsten zwei Jahrzehnten: Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird das Armutsrisiko besonders für die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre ansteigen – von aktuell 15 auf 20 Prozent im Jahr 2036. Als armutsgefährdet gilt ein Rentner, dessen Nettoeinkommen unter 958 Euro monatlich liegt.

Die NGG Rhein-Main plädiert für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. „Das Rentenniveau – also der Anteil der späteren Rente am Nettoverdienst – muss unbedingt stabilisiert werden. Im Moment sind es 48 Prozent – langfristig sollten wir eher auf 50 Prozent kommen“, sagt Gewerkschafter Cox.

 

Die Politik müsse dringend handeln: Denn die Bundesregierung geht in ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht noch von einem Absinken des Rentenniveaus auf 44,6 Prozent bis zum Jahr 2031 aus.
„Enorm wichtig ist aber auch die betriebliche Altersvorsorge. Sie ist ein großer Schutz gegen Altersarmut – gerade wenn sie fest im Tarifvertrag verankert ist“, betont Cox.
Die NGG hat tarifliche Zusatzrenten etwa in der Süßwaren- und Getränkeherstellung durchgesetzt. In den hessischen Mineralbrunnen etwa erhalten die Beschäftigten in diesem Jahr ein tarifliches Renten-Plus von 700 Euro.
Davon profitieren besonders die Mitarbeiter bei Selters und Oberselters.
Außerdem gilt ab Januar: Betriebsrenten dürfen nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Ein neues Gesetz garantiert hier Freibeträge. „Damit haben etwa Kellnerinnen und Bäcker im Ruhestand deutlich mehr in der Tasche – vorausgesetzt, im Betrieb gilt ein tariflicher Altersvorsorgevertrag“, so Cox. Genau das wolle die NGG im kommenden Jahr weiter vorantreiben.