Die dreisten Tricks der falschen Polizisten - Mix am Mittwoch
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Die dreisten Tricks der falschen Polizisten

Frankfurter Kripo warnt vor falschen Vollzugsbeamten am Telefon und gibt Tipps, wie man sich schützen kann

Von Ulrich Müller-Braun

Vertrauen gehört zum Leben. Ohne wird es ziemlich öde. Doch was, wenn sich dreiste Gauner ausgerechnet das Grundvertrauen in die Polizei zunutze machen, um ahnungslose, zumeist alte Menschen zu betrügen?

Das Phänomen ist nicht neu. Seit geraumer Zeit geben sich gut organisierte und oft bestens informierte Banden als Polizisten aus, um leichtgläubige Menschen dazu zu bringen, ihr sauer Erspartes auszuhändigen. Beispiel Sachsenhausen: Dort gelang es Betrügern Anfang Februar, eine 92-jährige Frau um Bargeld und Wertgegenstände im Wert von mehreren Tausend Euro zu bringen. Und wieder war es die Masche mit den Anrufen falscher Polizisten, die die Frau verängstigten und sie dazu brachten, die gesamten Wertgegenstände in einen Rollkoffer zu packen und vor dem Haus zu deponieren. Angeblich, damit die Polizei die Sachen in Sicherheit bringen kann.
Beispiel Glashütten: Dort kam ein älterer Herr den dreisten Gaunern durch die falsche Vorwahl – 110 – auf die Schliche, informierte das Königsteiner Revier, war dann aber so durcheinander, dass er auf die eintreffenden echten Beamten schoss.
Beispiel Eschborn: Hier vereitelte ein aufmerksamer Bankmitarbeiter, dass ein 89-Jähriger dem Wunsch eines Anrufers nachkam und 150 000 Euro vor der Haustür zur Abholung durch vermeintliche Beamten deponierte. Besonders übel: Selbst als die Geldabholung gescheitert und der Abholer festgenommen war, ließ der Betrüger nicht locker und versuchte den Senior mit neuen Lügen einzuschüchtern. So massiv, dass die Polizei den Einsatz abbrach.

Die Polizei in Frankfurt und im Taunus steht vor einer großen Herausforderung: Immer öfter rufen Betrüger vor allem ältere Menschen an, geben sich als Polizisten aus und versuchen ihre Opfer zu überreden, ihnen Geld und Wertsachen zu übergeben.

Die Masche ist dabei zumeist geradezu tumb: Die Gauner erzählen häufig, dass es sich um einen Notfall handelt und sie Ermittlungen gegen kriminelle Banden oder Spitzel in der Bank führen und im Zuge dessen das Vermögen des Opfers überprüfen oder sichern müssen.
Besonders fies: Die Täter sind häufig auch über das Wohnumfeld des Opfers gut informiert, stellen ein Vertrauensverhältnis zum Opfer her und bitten um Verschwiegenheit, da die Ermittlungen geheim seien.

Sollten Sie sich nicht sicher sein, inwieweit echte Polizeibeamte vor Ihrer Haustür stehen, rufen Sie im Zweifel beim nahe gelegenen Polizeirevier oder der 110 an.

In der Regel wird eine Übergabe von Wertgegenständen an einen verdeckten Ermittler angestrebt oder die Wertgegenstände oder das Bargeld sollen irgendwo hinterlegt werden, am besten in der eigenen Mülltonne.
Ein Fall aus Berkersheim steht exemplarisch für die Vorgehensweise: Telefonisch brachten die Täter einen 86-Jährigen dazu, Bargeld in fünfstelliger Höhe auszuhändigen. Die Täter behaupteten, aufgrund angeblicher Raubüberfälle im Nahbereich, den Rentner vor Verlust seines Bargeldes schützen zu wollen. Damit er nicht auch Opfer wird, solle er sein gesamtes Bargeld zur Abholung in der Mülltonne hinterlegen. All dies tat der 86-Jährige im Glauben, so auf der sicheren Seite zu sein. Was allerdings „schusselig“ klingt, erklärt sich meist durch die enorme Dreistigkeit, mit der die Täter vorgehen.

Die „echte Polizei“ würde niemals Bargeld oder Wertsachen bei alten Menschen abholen.

Aber auch Fälle, in denen sich die Täter vor Ort Zugang zu Wohnungen verschafften, wurden inzwischen registriert. Sie weisen sich dann zumeist mit einem gefälschten Dienstausweis aus. Oder wie im Frankfurter Norden geschehen: Sie gaben an, dass es auf dem Balkon des 88-jährigen Opfers brennen würde. Vor lauter Angst ließ die Frau die beiden Herren hinein. Während einer der beiden den Balkon aufsuchte, schlich sich der zweite in das Schlafzimmer des Opfers und bediente sich dort an den Wertsachen, um anschließend gemeinsam das Weite zu suchen.

Wurden Sie von „falschen Polizeibeamten“ angerufen, legen Sie zuerst unbedingt auf und beenden so das Telefonat. Danach kontaktieren Sie umgehend die Polizei unter der 110.

Allein im Main-Taunus-Kreis wurden im vergangenen Jahr 750 solcher Anrufe registriert. Und auch, wenn nur in acht Fällen tatsächlich Geld übergeben wurde, summiert sich der Betrag doch auf mehrere Hunderttausend Euro.

Übergeben Sie niemals fremden Personen Bargeld oder Wertsachen.

Grund genug für die Polizei, gemeinsam etwa mit dem Präventionsrat Main-Taunus mit einer intensiven öffentlichen Informationskampagne gegenzusteuern. Gleiches gilt für Frankfurt und den Hochtaunus. Alle wissen: Nur Aufklärung kann verhindern, dass die Betrüger mit ihren miesen Tricks erfolgreich sind. umb

Bitte warnen Sie Ihre Eltern und Großeltern eindringlich vor dieser Masche!