Ein kleiner Pikser rettet Leben - Mix am Mittwoch
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Stefanie Fritsche vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen

Ein kleiner Pikser rettet Leben

Heute ist Weltblutspendetag: Im Interview erläutert Stefanie Fritzsche vom DRK, wie wichtig die Spenden sind

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Warum ist es wichtig, dass Menschen Blut spenden?

Stefanie Fritzsche: Auch heute sind viele Therapien ohne Spenderblut nicht möglich. Nach wie vor ist für viele Patienten eine Transfusion lebensrettend. Nach wie vor gibt es für viele Erkrankungen keine Alternative zur Behandlung mit Blutprodukten. Neben Unfallopfer, Herzerkrankungen und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen, dies ist saisonunabhängig. Darum zählt jede Blutspende.

Was würde passieren, wenn die Zahl der Blutspender zurückginge?

Fritzsche: Wenn nicht genügend Blutspenden zur Verfügung stehen, müssen im schlimmsten Fall geplante, nicht lebensbedrohliche Eingriffe verschoben werden. Denn die Notfallversorgung muss zu jeder Zeit sichergestellt werden.

Wie viel Blut wird bundesweit und hessenweit benötigt?

Fritzsche: Pro Tag werden in Deutschland 15 000 Blutspenden benötigt. In Hessen werden knapp 900 Blutspenden benötigt, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Was passiert mit dem Blut, das gespendet wird?

Fritzsche: Die Blutbeutel werden im gekühlten Transporter in eines der DRK-Blutspendeinstitute gefahren. Sofort nach Eintreffen in den Instituten beginnt die Weiterverarbeitung. Jede Blutspende wird mit modernster Labordiagnostik auf durch Blut übertragbare Krankheiten getestet. Zur gleichen Zeit werden die Blutbeutel durch Zentrifugieren mit 3500 Umdrehungen pro Minute in die einzelnen Bestandteile aufgeteilt und daraus drei Präparate hergestellt: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplasma und Thrombozyten (Blutplättchen). Die umfangreiche Aufbereitung der Blutspende ermöglicht, dass jeder Patient individuell die Komponente bekommt, die er benötigt. So kann mit einer Blutspende bis zu drei Patienten geholfen werden. Darüber hinaus gewährleistet die Auftrennung eine bessere Lagerfähigkeit. Denn die einzelnen Komponenten sind unterschiedlich haltbar. Die roten Blutkörperchen sind bei 4° C bis zu 35 Tage, das Blutplasma bei –40° C bis zu zwei Jahre und die Thrombozyten bei 20 bis 24° C nur vier Tage haltbar. Innerhalb von 24 Stunden stehen die so aufbereiteten und getesteten Blutprodukte an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr für den Transport in die Krankenhäuser bereit.

Wer darf Blut spenden?

Fritzsche: Ein Spender muss sich gesund fühlen und darf zwischen 18 und 64 Jahren sein (Mehrfachspender dürfen bis zum 73. Geburtstag). Daneben gibt es jedoch eine Reihe temporärer oder dauerhafter Rückstellungen wie z. B. nach einer Reise in ein Malariagebiet oder bei einer Medikamenteneinnahme etc.

Vor einigen Jahren fanden Forscher Hinweise dafür, dass männliche Blutspender ein geringeres Herzinfarktrisiko besitzen. Ist der „Aderlass“ gesund?

Fritzsche: Tatsache ist, neben der Untersuchung des Blutes wird beispielsweise bei jeder Blutspende auch der Blutdruck gemessen. Oft wird erst dabei der Bluthochdruck erkannt. Viele Menschen leiden unter leichtem Bluthochdruck und merken es nicht einmal. Wenn man früh genug weiß, dass man unter Bluthochdruck leidet, kann eine Behandlung eingeleitet werden. Wer regelmäßig zur Blutspende kommt, hat seinen Blutdruck im Auge und senkt das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Denn der häufigste Auslöser dafür ist der Bluthochdruck.

Wie viele Menschen in Hessen und der Rhein-Main-Region haben Blut gespendet?

Fritzsche: 2016 spendeten 197 863 Menschen beim DRK in Hessen Blut. Davon entfallen auf Frankfurt 12 568 Menschen, auf den Hochtaunuskreis 8225 und auf den Main-Taunus-Kreis 5420.

Das Interview führte
Stefanie D. Stobbe