Ein Ort für Originale - Mix am Mittwoch
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Fotoshooting am 03.08.2017 am Wasserhäuschen in Frankfurt-Rödelheim.

Ein Ort für Originale

Frankfurter Wasserhäuschen sind eine Institution – nächste Woche wird ihnen ein Aktionstag gewidmet, den es so noch nie gegeben hat

Von Stefanie D. Stobbe

Es ist ein sonniger Mittag, etwa 13 Uhr. An der Rödelheimer Landstraße herrscht reger Verkehr, Mütter gehen spazieren, Senioren einkaufen. Nur wenige Meter weiter – genauer gesagt „Auf der Insel“ – stehen einige Männer beisammen, unterhalten sich, lachen und haben sichtlich Spaß. Der eine nippt an seinem Bier, er stellt sich als Jogi vor. Ein anderer – er heißt Vladimir – kommt dazu. „Machst du mir bitte einen starken Cappuccino. Ich bin ganz schön erledigt.“ Hinter dem freundschaftlich mit „Du“ Angesprochenen steckt Petru Spiridon. Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim ist er bekannt wie ein bunter Hund. Viele kennen ihn wegen seines Wasserhäuschens genau am Brentanopark, welches sechs Tage die Woche von morgens früh bis abends spät aufhat.
Es ist ein Wasserhäuschen wie aus dem Bilderbuch. Draußen eine lange Theke, innen alles, was das Herz von Kindern und Erwachsenen beglückt: Von Gummibärchen über Schokoriegel, Schorlen, Chips, Feuerzeugen bis hin zu Schnaps, Bier oder Apfelwein wird hier (fast) alles verkauft. Der 46-jährige Grieche ist seit nunmehr 17 Jahren Herr des Häuschens.
„Ich biete einen sozialen Treffpunkt für alle, die Lust haben, sich zu unterhalten und Neues zu erfahren. Hier wird bei weitem nicht nur Alkohol konsumiert“, ist es dem dreifachen Vater wichtig zu betonen. Da auch er sich um das Image der Wasserhäuschen sorgt, beteiligt er sich am 1. Frankfurter Wasserhäuschentag, der am 19. August stadtweit stattfinden wird. Geboten werden Lesungen, Musik und andere kulturelle Angebote – natürlich alle rund um die kultigen Einrichtungen. „Eine tolle Idee“, lobt er. Sein Kumpel Jogi pflichtet ihm bei. Jogi ist 60 Jahre alt, arbeitet eigentlich an der Messe. Heute aber hat er frei. Dann kommt er zu Petru zum Würfeln. An diesem Tag steht Jogi bereits seit 10 Uhr morgens am Wasserhäuschen. „Man trifft sich hier halt“, berichtet der Rödelheimer. Auch Vadim, der extra aus Offenbach kommt, pflichtet ihm bei. Und: „Der Kaffee ist unschlagbar!“ Weniger interessiert an Kaffee als an Süßem ist Wadim. Der Sossenheimer Junge ist mit seinem Onkel Vladimir regelmäßig an Petrus „Bude“ anzutreffen.
„Hier sind schon viele Freundschaften entstanden“, berichten die Männer, die sich ebenfalls am Kiosk kennengelernt haben. Am Vatertag – so erzählt Jogi – trifft er hier jedes Jahr seine ehemaligen Schulkameraden, die eigens aus Bad Vilbel kommen. In den 17 Jahren, in denen Petru Spiridon das Wasserhäuschen führt, hat er Babys fast zu Erwachsenen heranwachsen gesehen. Seine eigene Familie hat Verständnis dafür, dass Papa sechs Tage die Woche arbeitet. Nur im Januar, wenn es kalt und ungemütlich ist, dann macht Petru Urlaub. Manchmal 3, manchmal auch 4 Wochen hat er da geschlossen. „Das wissen wir ja und stellen uns darauf ein“, sagt Jogi, ein wenig traurig darüber, dass „sein“ Wasserhäuschen in diesem Zeitraum geschlossen hat. Und mittwochs gönnt sich der 46-Jährige einen freien Tag. Dann ist es an diesem sonst so trubeligen Ort plötzlich ganz leise.

Mehr zum Thema auf Seite 3 und zum Programm vom 1. Wasserhäuschentag: www.wasserhäuschentag.de