Heiraten? Vielleicht! - Mix am Mittwoch
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Joachim Letschert und sein Lebensgefährte Uwe Koppers leben in Bad Vilbel; Foto: Sven Sajak

Heiraten? Vielleicht!

Drei Männer aus der Region berichten in Mix von ihren Plänen
Oliver Henrich

Oliver Henrich

Timo Becker alias Malte Anders

Timo Becker alias Malte Anders

Joachim Letschert und sein Partner Uwe Koppers sind länger ein Paar, als so manche Ehe der Statistik zufolge hält. Ganze 26 Jahre leben die beiden Männer glücklich zusammen.

Freudig, aber auch entsprechend unaufgeregt haben die Bad Vilbeler die erste Abstimmung zur „Ehe für alle“ verfolgt. Ob sie selbst aus ihrer Partnerschaft eine Ehe machen wollen?

Joachim Letschert kommt ins Grübeln. „Früher“, so berichtet er, „galt die Ehe bei Homosexuellen als verpönt, als bürgerlicher Schnickschnack.“

Sein Partner Uwe und er benötigen keinen Trauschein, um ihre Partnerschaft zu dokumentieren. „Der einzige Grund, aus dem wir dennoch über dieses Thema nachdenken, ist die rechtliche Absicherung“, berichtet der 49-Jährige und meint damit das Besuchsrecht im Krankheitsfall oder auch die Frage des Nachlasses nach dem Tod.

Doch egal, wie sich die beiden Bad Vilbeler entscheiden, eines ist klar: „Die Ehe für alle gehört in einer liberalen Gesellschaft wie der unsrigen dazu. Wir warten nun auf die zweite und dritte Instanz und hoffen, dass es keine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht geben wird.“

So geht’s weiter

Wie geht es nun weiter mit der „Ehe für alle“? Der Bundesrat muss dem Gesetz nicht zustimmen, kann aber Einspruch erheben.

Da dort die Befürworter der Ehe für alle, also SPD, Linke und Grüne, in der Mehrheit sind, ist damit jedoch nicht zu rechnen. Nach der Verabschiedung durch den Bundesrat muss der Bundespräsident das Gesetz unterschreiben. Nach der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten wird das Gesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Emotionaler Moment

Diesen Weg wird auch Timo Becker ganz genau verfolgen. Der Frankfurter Theaterpädagoge und Kabarettist,der 2008 das Eschborner Theater der Generationen gründete, sorgt derzeit bundesweit als Malte Anders für Furore.

Er erfand das „Unterrichtsfach“ Homologie und spricht in Mix offen darüber, warum die „Ehe für alle“ für ihn längst überfällig war.

„Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Und das zum Positiven! Mein Großvater war in meinem Alter in russischer Kriegsgefangenschaft – und sein Enkel darf jetzt einen Mann heiraten! Für mich war die Entscheidung des Bundestags schon ein emotionaler Moment. Nun, ich bin im heiratsfähigen Alter und freue mich, dass Deutschland mich darin nun auch unterstützt. Auch die Möglichkeit, ein Kind zu adoptieren, ist etwas, über das ich mir ernsthafte Gedanken mache“, berichtet der studierte Sozialpädagoge. Er fragt sich: Warum sollen homosexuelle Paare vor dem Gesetz nicht die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Paare?

„Homosexuelle Partnerschaften sind genauso viel oder wenig auf Liebe, Treue und füreinander da sein ausgerichtet wie bei Paaren, die andersrum sind. Ich selbst würde gerne heiraten – und finde die Ehe immer nur so verstaubt, wie die Paare sie machen. Vielleicht kommt durch uns Homos endlich mal wieder ein bisschen Bewegung ins allgemeine Eheleben?“, schmunzelt er.

Versprechen geben

Ähnlicher Meinung ist Oliver Henrich von der Aids-Hilfe in Frankfurt. Auch er kann sich sehr gut vorstellen, eines Tages zu heiraten. „Für mich persönlich bedeutet die Abstimmung, irgendwann dem Mann ein Versprechen geben zu können, das sich in dessen Intensität von dem abhebt, was ich jetzt schon engen Freunden gebe: ewige Loyalität, Treue, Liebe, Fürsorge, einfach der Mensch sein, der hinter einem steht – egal, ob physisch anwesend oder nicht. Denn ich habe vor, nur einmal Ja zu sagen“, so Henrich.

Auch er berichtet, dass er einige Homosexuelle kenne, welche die Institution Ehe als verstaubt sehen.

„Dann appelliere ich aber an den Gedanken einer demokratischen Gesellschaft: gleiches Recht für alle – ob ich selbst letztlich davon Gebrauch mache, ist meine Sache. Aber mit meinem Nein würde ich es jenen verbieten, für die dies sehr viel bedeutet.“