Keinen Ärger mit den Nachbarn - Mix am Mittwoch
87416
post-template-default,single,single-post,postid-87416,single-format-standard,edgt-core-1.1.2,ajax_fade,page_not_loaded,,vigor child-child-ver-1.0.0,vigor-ver-1.8.1, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,fade_push_text_top,wpb-js-composer js-comp-ver-4.11.2.1,vc_responsive

Keinen Ärger mit den Nachbarn

Den Balkon richtig nutzen und Streit vermeiden: Das ist beim Grillen und Feiern zu beachten

Die warme Jahreszeit lädt dazu ein, mehr Zeit auf dem Balkon zu verbringen. Gerade im Sommer kann das viel Spaß machen. Wären da nicht die Nachbarn und der Vermieter, die das Feiern oder das Grillen nicht so amüsant finden und deshalb für Ärger sorgen. Was ist also auf dem Balkon grundsätzlich erlaubt? Was ist verboten?

In den Mietvertrag schauen

Grundsätzlich gilt: Grillen auf dem Balkon ist gestattet, sofern es im Mietvertrag kein Grillverbot gibt. Darauf weist das Portal wohnen-und-bauen.de hin.

Wer sich als Mieter nicht daran hält, dem droht die Kündigung. Deshalb gilt: Zuerst in den Mietvertrag schauen, was dort in Bezug auf das Grillen auf dem Balkon drinsteht.

Sofern aber der Mietvertrag kein Grillverbot auf dem Balkon vorsieht, dürfen dort Würstchen brutzeln. Mit einer Einschränkung: Einmal mehr kommt es darauf an, ob der Qualm die Nachbarn belästigt oder sogar in deren Wohnungen zieht. Ist eine solche Belästigung erheblich, droht gegebenenfalls sogar eine Geldbuße. Selbstverständlich nicht vom Vermieter, sondern von den Ordnungsbehörden, sofern sich die Nachbarn dort beschweren.

Übrigens: Gegrillt werden auf dem Balkon darf nicht so oft, wie man will. Die erlaubte Häufigkeit hängt von der Stadt oder Gemeinde ab. In Berlin beispielsweise sind zwei Mal Grillen auf dem Balkon im Monat erlaubt, in Bonn nur ein einziges Mal und in Stuttgart lediglich drei Mal pro Jahr.

Wie bereits gesagt, hat der Vermieter das Recht, per Hausordnung das Grillen auf dem Balkon zu verbieten. In der Regel ist die Hausordnung Bestandteil des Mietvertrags. Wer sich nicht daran hält, dem droht die fristlose Kündigung. So das Landgericht (LG) Essen in seinem Urteil vom 7. Februar 2002 unter dem Aktenzeichen 10 S 438/01.

Überdies darf ein Vermieter zugunsten der Hausgemeinschaft und der Nachbarn, die sich möglicherweise durch den Rauch gestört fühlen, anordnen, dass nur ein Mal im Monat auf dem Balkon gegrillt wird und dass dieses Grillen mindestens 48 Stunden vorher angekündigt wird. Dies entschied das Amtsgericht (AG) Bonn bereits am 29. April 1997 unter dem Aktenzeichen 6 C 545/96. Noch viel älter ist eine Entscheidung des Amtsgerichts (AG) Hamburg vom 7. Juli 1972 unter dem Aktenzeichen 40 C 229/72. Kernaussage: Das Grillen mit einem Holzkohlen-Gartengrill auf dem Balkon einer Mietwohnung ist immer unzulässig, weil die Nachbarschaft durch Rauch und Dunst unvermeidbar beeinträchtigt wird.

Und darf man auf dem Balkon feiern? Partys auf dem Balkon sind nicht verboten. Aber nur, wenn die Nachbarn sich nicht durch Musik und lautstarke gute Laune belästigt fühlen. Tipp: Am besten feiern die Nachbarn mit, dann dürften Stress und Ärger weitgehend ausgeschlossen sein. Außerdem sollte man in den Mietvertrag schauen, was da zum Thema „Ruhezeiten“ steht. Das ist verbindlich. Weiterer Tipp: Spätestens um 22 Uhr sollten sich die Partygäste in die Wohnung zurückziehen und die Musik etliche Dezibel leiser drehen.

Kein Rauchverbot

Und darf geraucht werden? Auf dem eigenen Balkon gibt es kein Rauchverbot. Wieder einmal gilt: Der Nachbar darf sich aber nicht allzu sehr belästigt fühlen. Falls er das tut, kann er zeitlich begrenzte Raucherpausen verlangen und versuchen, diese über den Vermieter durchzusetzen.

Freie Hand haben Mieter bei der Gestaltung der Bepflanzung für den Balkon. Hier gibt es in der Regel keine Einschränkungen oder Verbote. Ausnahme: Normalerweise nicht gestattet sind Pflanzen wie Efeu, die das Mauerwerk beschädigen könnten. Überdies sollten Mieter darauf achten, dass die Kästen und Töpfe, in die die Blumen eingepflanzt sind, bei Wind nicht wegfliegen oder herabstürzen können, so dass möglicherweise Menschen zu Schaden kommen.

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) dürfen Mieter auf dem Balkon Blumenkästen anbringen. So ein Urteil vom 6. November 2005 unter dem Aktenzeichen VIII ZR 5/05. Interessant ist auch ein Urteil des Landgerichts (LG) Berlin vom 28. Oktober 2002 unter dem Aktenzeichen 67 S 127/02. Demnach müssen darunter wohnende Mitmieter dulden, dass Blätter aus den Blumenkästen auf dem Balkon der darüberliegenden Wohnung herabfallen. Ausnahme: Die Bepflanzung wächst in erheblichem Umfang über die Brüstung und führt zu einer übermäßigen Belästigung der Mitmieter durch herabfallenden Vogelkot und Blätter.

Darf man einen Sichtschutz anbringen? Grundsätzlich ist das Anbringen eines Sichtschutzes auf dem Balkon gestattet. Dieser sollte so stabil sein, dass er nicht wegfliegen und dadurch Menschen gefährden kann. Außerdem sollten gewisse ästhetische Regeln beachtet werden. Knallige Farben, die die Hausfassade optisch verunstalten, sind in der Regel nicht drin. Erlaubt ist es auch, Wäsche auf den Balkon zum Trocknen zu hängen. So unter anderem das Landgericht (LG) Nürnberg-Fürth in seinem knapp 30 Jahre alten Urteil vom 19. Januar 1990 unter dem Aktenzeichen 7 S 6265/89.