Kriminalstatistik mit Rekord-Aufklärungsquote - Mix am Mittwoch
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Kriminalstatistik mit Rekord-Aufklärungsquote

So viel vorneweg: Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 für den Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Main-Taunus ist geprägt durch die höchste jemals
erreichte Aufklärungsquote im MTK von 60,5%, den Rückgang der Fallzahlen von 11 398 Fällen im Jahr 2016 auf 10 762 Fälle 2017, einen Rückgang der Häufigkeitszahl von 4895 im Jahr 2016 auf 4566 2017 und einen deutlichen Rückgang der Eigentumsdelikte von 4787 auf 4106 Fälle. Alles erfreuliche Werte.

Von Ulrich Müller-Braun

 

 

Wer im Main-Taunus-Kreis lebt, lebt statistisch gesehen an einem sicheren Ort“: So fasste Landrat Michael Cyriax die Kriminalstatistik für 2017 zusammen, die er gemeinsam mit Polizeidirektor Peter Liebeck vorstellte. Gleichzeitig wies Cyriax darauf hin, dass das Sicherheitsgefühl vieler Bürger aufgrund von bestimmten Vorfällen und Entwicklungen im vergangenen Jahr „eine andere Sprache“ spreche: „Wir müssen uns darüber klar sein, dass sich trotz positiver Zahlen viele Menschen Sorgen machen.“
Dem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr noch weniger Straftaten verübt als im Jahr zuvor, und die Aufklärungsquote erreichte ein neues Rekordhoch. Sechs von zehn Fällen werden aufgeklärt. Eine große Herausforderung ist Liebeck zufolge eine aktuelle Betrugsmasche mit falschen Polizisten: „Hier ist noch mehr gesundes Misstrauen, Wachsamkeit von Nachbarn und Verwandten und intensive Aufklärung gefragt.“

636 Fälle weniger
2017 wurden im Main-Taunus-Kreis 10 762 Straftaten registriert. Verglichen mit dem Vorjahr sind das 636 Fälle weniger (11 398 Fälle), was einer Abnahme von 5,6% entspricht. Damit liegt das Straftatenaufkommen mit 677 Fällen unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (11 439 Fälle), was einer Reduktion von 5,9% entspricht.
Im Jahr 2017 waren die Fallzahlen in den meisten Kommunen rückläufig. Die signifikantesten Rückgänge verzeichneten Flörsheim (–165), Kriftel und Sulzbach (beide –142), Eppstein (–114), Hochheim (–106) und Kelkheim (–100). Dezente Zunahmen waren in Schwalbach (+69), Hofheim (+45), Hattersheim (+33) und Liederbach (+15) zu verzeichnen.
Die Fallzahlensenkung resultiert vor allem aus der Abnahme der Diebstahlsdelikte um 681 Fälle (–14,2%) und der Betrugsdelikte um 136 Fälle (–8%). Mit 60,5% erreicht die Aufklärungsquote im Jahr 2017 einen neuen Höchststand und übertrifft sogar den Rekordwert von 2013 (59,8%) deutlich. Damit stieg die AQ verglichen mit dem Vorjahr um 2,3% und überschritt erstmals die Grenze von 60%. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt bei 57,9% und damit 2,6% unter dem neuen Höchstwert. 1998 hatte die Aufklärungsquote noch 31,7% betragen und erst im Jahr 2008 die 50-Prozent-Marke überschritten.

4939 Tatverdächtige
Im Jahr 2017 wurden im Main-Taunus-Kreis 6513 Straftaten aufgeklärt und dabei 4939 Tatverdächtige (TV) ermittelt. Das sind 235 mehr als im Vorjahr. Darunter waren 3825 männliche (77,4%) und 1114 weibliche Tatverdächtige (22,6%).

Jugendliche Täter
Unter den 4939 Tatverdächtigen im Jahr 2017 waren 1171 Personen (23,7%) jünger als 21. Im Vergleich zur Vorjahreszahl ist die Anzahl der unter 21-Jährigen um 185 Personen gestiegen, wobei auch insgesamt 236 Tatverdächtige mehr ermittelt werden konnten (4703 TV 2016).
Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie 2015 und stieg um 27 auf 111. Das entspricht 2,2% aller ermittelten Tatverdächtigen und somit 0,4% mehr als 2016. Die Zahl der tatverdächtigen 14- bis 16-Jährigen stieg von 198 auf 213 Tatverdächtige. Bei den 16- bis 18-Jährigen stieg die Anzahl der Tatverdächtigen um 58 von 267 im Jahr 2016 auf 325 im Jahr 2017 (6,6% der TV). Ebenso stieg die Anzahl der ermittelten 18- bis 21-jährigen Tatverdächtigen von 437 auf 522. Das entspricht 10,6% der ermittelten Tatverdächtigen.
Die Häufigkeitszahl (HZ) ist die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten, errechnet auf 100 000 Einwohner. Wie auch im Vorjahr zeigte sich die HZ weiter rückläufig und senkte sich von 4895 auf 4566 Fälle. Damit liegt der MTK mit 1480 Straftaten unter dem Durchschnitt des Landes Hessen.
Wie bereits in den zurückliegenden Jahren ist die Sachbeschädigung auch im Jahr 2017 mit 1264 Fällen das TOP-1-Delikt im Main-Taunus-Kreis. Im Vergleich zum Vorjahr (1184 Fälle) wurden der Polizei 80 Fälle mehr gemeldet, wobei die Aufklärungsquote auf 25,7% (+3,0%) stieg.
Neu auf Platz 2 liegen die leichten Körperverletzungsdelikte, die mit einem Zuwachs von 105 Fällen auf nunmehr 808 Fälle gestiegen sind und damit den Diebstahl in/aus Kfz (535 Fälle) deutlich von Platz 2 verdrängt haben.
Ebenfalls einen Platz vor, und damit auf Platz 3 geschoben hat sich der Ladendiebstahl mit 651 Fällen (+40 Delikte im Vergleich zum Vorjahr) und einer AQ von 93,7%. Weitere Eigentumsdelikte wie der Diebstahl in/aus Kfz (–197 Fälle), der Wohnungseinbruchsdiebstahl (–197 Fälle) und der Diebstahl von Fahrrädern (–171 Fälle) belegen durch die starken Fallzahlenrückgänge die hinteren Plätze. Erstmalig in den TOP-Straftaten des Main-Taunus-Kreises vertreten ist mit 486 registrierten Taten das Erschleichen von Leistungen (+118 Fälle) und einer AQ von 98,8%.
Die TOP-10-Delikte haben einen Anteil von 56,3% an der Gesamtkriminalität.
Den Angaben zufolge wurden im Kreis 10 762 Straftaten registriert; das waren 4,6% oder 636 Fälle weniger als im Vorjahr. Vor allem gingen die Zahlen bei Diebstählen und Betrugsfällen zurück. Insgesamt lag die Zahl der Straftaten deutlich unter dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote erreicht mit 60,5% einen neuen Höchststand und übertrifft sogar den bisherigen Rekordwert von 2013; damals wurden 59,8% der Fälle aufgeklärt.

Kriminalitätsstruktur
Insgesamt setzte sich nach Polizeiangaben bei der sogenannten Kriminalitätsstruktur eine Tendenz seit Mitte der 90er Jahre fort: Es gibt mehr Rohheits- und Vermögens- und Fälschungsdelikte, dafür aber weniger Eigentumsdelikte – beispielsweise schwerer Diebstahl.
Das ändere nichts daran, dass die Arbeit für die Sicherheit eine große Herausforderung bleibe, so Cyriax. Als aufsehenerregende Beispiele aus dem vergangenen Jahr nannte er Randale am Schwalbacher Marktplatz und auch Gewalt gegen Polizisten. Das trage dazu bei, „dass das Sicherheitsgefühl vieler Bürger von den Zahlen der Statistik abweicht“. Cyriax hob in diesem Zusammenhang die kreisweite Vorbeugearbeit des Präventionsrates hervor und auch die ehrenamtlichen Berater für Senioren. Zudem brauche der Kreis wachsame Bürger, die Verdächtiges der Polizei melden und sich als Zeugen zur Verfügung stellen: „Auch bei der Sicherheit ist der MTK ein Mitmach-Kreis“, fasst Cyriax zusammen.

Die vollständige Kriminalstatistik ist auf der Internetseite des Main-Taunus-Kreises abrufbar (www.mtk.org).

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Straftaten im Zusammenhang mit Zuwanderern
Seit der starken Flüchtlingszuwanderung der Jahre 2015/16 werden Straftaten in diesem Bereich gesondert ausgewertet. Bei Flüchtlingen wurden demnach im vergangenen Jahr 424 Straftaten registriert – darunter 73 Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können, also zum Beispiel Verstöße gegen die Aufenthaltsgesetze. Der Statistik zufolge werden im Main-Taunus-Kreis vier von hundert Straftaten von Flüchtlingen begangen. Vor allem ging es dabei um Körperverletzung, Ladendiebstahl, Schwarzfahren und Drogen.

Wohnungseinbruch
Den tiefsten Wert seit Jahrzehnten verzeichnete der Wohnungseinbruchsdiebstahl im Jahr 2017. Demnach wurden im vergangenen Jahr nur noch 411 Straftaten im Main-Taunus-Kreis und damit 197 Fälle (32,4%) weniger als im Vorjahr verzeichnet. Zugleich ging die Aufklärungsquote um 2,5% auf 21,2% leicht zurück. Der Anteil der Tageswohnungseinbrüche betrug dabei 142 Fälle.
Der sehr hohe Anteil von 55,5% (228 Fälle), in denen Einbrecher scheiterten und im Versuchsstadium steckenblieben, zeigt den sichtbaren Erfolg polizeilicher Beratungen. Damit haben die polizeiliche Prävention und die daraus resultierenden Umsetzungen der Sicherungsmaßnahmen an Fenstern und Türen einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Einbrüchen im MTK geleistet. Neben den kostenlosen kriminalpolizeilichen Beratungen für Bürgerinnen und Bürger hat sich offensichtlich auch der anhaltend hohe Kontrolldruck ausgezahlt.

Diebstahl in und aus Kraftfahrzeugen
Der Diebstahl in/aus Kraftfahrzeugen war bis zum Jahr 2007 (1813 registrierte Taten) das TOP-1-Delikt der Polizeidirektion Main-Taunus – noch dazu mit einer sehr geringen Aufklärungsquote von unter 10%. Umfangreiche Maßnahmen haben bewirkt, dass die Fälle im Laufe der Jahre auf eine Fallzahl von 505 im Jahr 2013 (niedrigster Wert seit Statistikerfassung) reduziert und gleichzeitig die AQ deutlich erhöht werden konnte. Nach einem leichten Anstieg in den vergangenen Jahren gingen die Fallzahlen im Jahr 2017 von 732 auf 535 (-197 Fälle) zurück. Gleichzeitig war die AQ rückläufig und sank auf 18,3% (98 aufgeklärte Fälle). Neben gezielten Kfz-Aufbrüchen, bei denen Navigationsgeräte, Airbags und weitere technische Geräte in kürzester Zeit ausgebaut werden, kommt es immer wieder zu den sogenannten Gelegenheitstaten, weil Wertgegenstände sichtbar im Fahrzeug zurückgelassen werden. Hier wird immer wieder an Fahrzeugnutzer appelliert, diese „einladenden“ Tatgelegenheiten gar nicht erst zu schaffen.

Straftaten gegen das Leben
Im Bereich der Straftaten gegen das Leben wurden für die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 insgesamt 15 Straftaten erfasst, die allesamt aufgeklärt werden konnten. Darunter fallen 13 versuchte Tötungen, ein versuchter Schwangerschaftsabbruch und eine fahrlässige Tötung. Elf dieser registrierten Straftaten ereigneten sich bereits in vorangegangenen Jahren, wurden jedoch erst im Jahr 2017 statistisch erfasst. Dabei sind auch fünf Mordversuche, die sich in den Jahren 2008 bis 2012 in Bad Soden ereignet haben. Hier lief in München ein Sammelverfahren gegen eine Hebamme, die zur damaligen Zeit in Bad Soden angestellt war.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Nach den teilweise deutlichen Rückgängen bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in den vergangenen Jahren ist im Jahr 2017 ein deutlicher Anstieg auf 95 Fälle (+90%) zu verzeichnen. Ursächlich für diesen erheblichen Anstieg ist eine Gesetzesänderung im Sexualstrafrecht, weshalb ein Vergleich der Fallzahlen der Sexualdelikte aus dem Jahr 2017 mit den Vorjahreszahlen nur bedingt möglich ist. Durch die Reform wurde der § 177 StGB (sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) grundlegend umgestaltet. Demnach bedarf es keiner tatbestandlichen Nötigung mehr, um den Tatbestand des § 177 StGB zu erfüllen. Ein „Nein“ des Opfers ist ausreichend, um sexualisierte Gewalt zu bestrafen.
Die Aufklärungsquote stieg im vergangenen Jahr von 92,0% auf 92,6% (+0,6%). Für die Opfer haben die hohen Aufklärungsquoten und die damit oftmals verbundenen juristischen Konsequenzen einen großen Anteil bei dem wichtigen Prozess der Verarbeitung des Erlebten.

Körperverletzung und häusliche Gewalt
Nach dem deutlichen Rückgang der Fallzahl von häuslicher Gewalt im Jahr 2016 (-83 Fälle) hat die Polizei im Jahr 2017 wieder 32 Fälle mehr registriert.
Insgesamt wurden 327 Fälle bekannt, was einem Anstieg von ca. 11% entspricht. Die 327 Straftaten wurden durch 273 Tatverdächtige begangen. Dies zeigt, dass sich unter den Tatverdächtigen auch Wiederholungstäter befinden.
Charakteristisch für die häusliche Gewalt ist, dass vorwiegend Männer Gewalt ausüben. 216 der Tatverdächtigen waren männlich – dies entspricht einem Anteil von 79%. Insgesamt 57 Frauen übten Gewalt aus. umb