Mitten ins Herz - Mix am Mittwoch
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Mitten ins Herz

Wie weit ist die Eintracht noch von einem Spitzenteam entfernt?

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Eintracht derzeit bewegt. Irgendwo zwischen Champions League und Mittelmaß. Das Gastspiel in Dortmund hat es überdeutlich gezeigt: 30 Minuten Elendkick, 60 Minuten auf Augenhöhe und am Ende fehlte ein Quäntchen Glück.

Von Ulrich Müller-Braun

Statistiker tun sich derzeit recht leicht, die Frankfurter Eintracht einzuordnen: „So gut wie damals mit Yeboah, Stein und Bein“, werfen sie einen Blick auf die Bilanz. Und tatsächlich: „In den letzten 30 Jahren gab es tatsächlich nur sechs Jahre, bei denen die Eintracht auf der Habenseite nach dem 26. Spieltag mehr als 40 Punkte gebracht hatte. Vier Mal gelang das in den Jahren 1989/90 (Platz 4 mit 44 Punkten), 1991/92 (Platz 2 mit 45 Punkten), 1992/93 (Platz 3 mit 46 Punkten) sowie 1993/94 (Platz 2 mit 45 Punkten). Was in allen diesen vier Fällen am Ende in etwa gleich war: Die Mannschaften spielten bis zum Ende eine starke Runde und landeten am Ende vorne in der Tabelle. 1989/90 Platz 3 hinter den Bayern und Köln, 1991/92 – das Rostock-Trauma – Platz 3 hinter Stuttgart und Dortmund, 1992/93 Platz 3 hinter Bremen und den Bayern sowie 1993/94 Platz 5 hinter Bayern München, Kaiserslautern, Leverkusen und Dortmund.
Höhenluft schnuppern
Danach mussten sich die Eintracht-Fans lange gedulden, bis es mal wieder Höhenluft zu schnuppern galt. Schlimmer noch: In der Saison 2007/08 folgte dem furiosen Saisonbeginn mit 42 Punkten nach 27 Spielen und Platz 4 ein ebenso atemberaubender Sinkflug. In den ausstehenden acht Spielen gab es noch ein 1:1 gegen Dortmund am 30. Spieltag und ein 4:2 gegen den MSV Duisburg am letzten Spieltag zu feiern. Ansonsten standen sechs Niederlagen sowie das Abrutschen auf Platz 9 der Tabelle mit schlussendlich gerade mal 46 Punkten zu verbuchen.
Vornehme Zurückhaltung
Dass sich die Eintracht-Fans noch in vornehmer Zurückhaltung üben, hat aber sicher auch etwas mit der Saison 2016/17 zu tun. Als Tabellensiebter bog die Mannschaft unter Niko Kovac mit 37 Punkten auf die Zielgerade ein. Statt Europa sprang am Ende aber nur Platz 11 mit in diesem Fall wahrlich mickrigen 42 Punkten heraus. Will heißen: Das Eintracht-Umfeld ist so manches gewohnt und schaut nicht erst, seitdem Niko Kovac aus dem zusammengewürfelten Haufen eine Einheit geformt hat, lieber von Spiel zu Spiel.
Selbstbewusstsein tanken
Und da käme ja mit Mainz 05 am Samstag genau das richtige Kaliber in die Commerzbank Arena, um neues Selbstbewusstsein zu tanken und das Punktekonto vor dem Endspurt aufzubessern. Das Restprogramm hat es schließlich in sich: Danach geht es nach Bremen, gegen Hoffenheim, nach Leverkusen, gegen Berlin, nach München, gegen den HSV und zum Finale auf Schalke. Ein bisschen mehr Luft nach hinten würde sicher dem Nervenkostüm gut tun.
Wobei die Eintracht auf jeden Fall insbesondere bei den Spitzenbegegnungen in Leverkusen, München und Gelsenkirchen durchaus mit breiter Brust auftreten kann. Was die Mannschaft nach den ersten 30 Minuten Angsthasenfußball in Dortmund gezeigt hat, war aller Ehren wert und hätte einen Punkt in der Tat verdient gehabt. Da fehlte am Ende wirklich nur eine ordentliche Portion Cleverness.
Was – nebenbei bemerkt – sogar dazu führte, dass Sky-Moderator Wolff Fuss sein anfängliches „Jetzt wissen wir, wie die Eintracht hier agieren will: hart an der Grenze“ in ein deutlich vernehmbares Lob für den mutigen Auftritt der Eintracht umwandelte.
Niko Kovac dürfte es mit Genugtuung registriert haben. Der Mann, der seit fast genau zwei Jahren (8. März) das Sagen hat, kann schließlich auf eine außergewöhnliche Leistung verweisen. Als er kam, war die Eintracht fast abgestiegen. Dann wurde der Klassenerhalt geschafft, und jetzt spielt seine Mannschaft unter den Top Sechs der Liga. Ganz abgesehen davon, dass im Pokal erneut das Halbfinale erreicht wurde. Hut ab!