Ruhepol im hektischen Frankfurt - Mix am Mittwoch
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Ruhepol im hektischen Frankfurt

Mix-Interview mit Frederick Löbig, der mit seinem Team von „Linie 11“ den 1. Wasserhäuschentag ins Leben gerufen hat

Welche sozialen Aspekte Wasserhäuschen erfüllen und warum sie in einer Großstadt wie Frankfurt nicht wegzudenken sind, verrät Frederick Löbig im Interview

Von Stefanie D. Stobbe

Herr Löbig, wie kam die Idee, einen solchen Tag ins Leben zu rufen?

Seit über 150 Jahren sind Frankfurter Wasserhäuschen aus dem Stadtbild nicht wegzudenken und gehören zur Frankfurter Stadtkultur, wie die sieben Kräuter in die Grie Soß. Wir, das sind der Verein Linie 11 sowie die Herausgeber des Wasserhäuschenquartetts und Memories, und weitere Unterstützer (allgemein „Wasserhäuschenlobby“ genannt) setzen uns bereits seit langem für die Förderung und Besserung des Images Frankfurter Wasserhäuschen ein. Neben all dem, was wir bisher getan haben, gab es, natürlich inspiriert durch Aktionstage in anderen Städten wie z. B. Düsseldorf, bei uns irgendwie den Bedarf, mal einen kompletten Aktionstag mit dem Thema Wasserhäuschen auf die Beine zu stellen. Wichtig dabei ist uns, dass die Ideen und Aktionen aus der Masse heraus kommen und viele eigenständige, authentische Wasserhäuschen-Aktionen stattfinden, die am 19. August diese für die Frankfurter Geschichte sehr wichtigen Institutionen in den Fokus rücken.

Soll der Aktionstag nun jährlich stattfinden?

Das wird sich zeigen. Man darf nicht vergessen: Es ist das erste Mal, weder Betreiber noch wir können jetzt sagen, ob das Ganze ein Erfolg wird und wie man diesen „Erfolg“ am Ende messen würde. Ich denke, wenn an dem Tag alle Menschen, also Betreiberinnen und Betreiber, Gäste, Unterstützer und Kreative, Künstler und wir, Spaß haben und möglichst jeder mit einem positiven Gefühl den Tag abschließt und für sich etwas mitnimmt, dann können wir guten Gewissens sagen, dass der Tag ein Erfolg war. Und dann werden wir
sicherlich rechtzeitig die Planungen für einen zweiten Frankfurter Wasserhäuschentag starten!

Wie viele (und welche) Wasserhäuschen nehmen teil?

Insgesamt wird es 11 von uns koordinierte „Hotspots“ geben – also Orte, an denen es verschiedene Aktionen zum Thema gibt. In Offenbach hat der Verein „offenbar e. V.“ eine kleine Ausstellung im Kreativ-Kiosk vorbereitet.

Was macht für Sie ganz persönlich den Charme der Wasserhäuschen aus?

Als echte Kinder der Stadt haben wir natürlich eine ganz besondere Beziehung zu den Wasserhäuschen. Schon zu Schulzeiten hatten wir lieber das Geld für die gemischte Tüte (im übrigen „ohne“) ausgegeben, anstatt sich ein „langweiliges“ Pausenbrot zu holen, falls es mal nicht geschmiert im Schulranzen lag. Was uns heutzutage immer wieder aufs Neue fasziniert, ist die Vielfalt, auf die man am Wasserhäuschen trifft. Hubert Gloss hatte einst ein Wasserhäuschen mal als barrierefrei bezeichnet, und das trifft es sehr gut. Am Wasserhäuschen kann jeder stehen, sich jeder unterhalten, jeder Spaß haben oder sich jeder einfach einmal auskotzen über Gott und die Welt. Hier darf man einfach sein, wer man ist, und wird nicht, wie so oft in großen, anonymen Städten, rein über sein Äußeres beurteilt und in die entsprechende Schublade kategorisiert. Natürlich haftet den Wasserhäuschen oftmals auch ein etwas schäbiges Image an. Pauschal abzustreiten, dass dort eben auch alkoholkranke Menschen stehen, um ihren Durst zu löschen, wäre absolut realitätsfern. Man darf aber schlichtweg nicht verallgemeinern. Für die meisten ist das Wasserhäuschen ein Ort, an dem man sich noch ehrlich unterhalten kann. Ein Ruhepol im hektischen Frankfurt, an dem es noch urig und echt „frankfodderisch“ zugeht.

Warum sind Wasserhäuschen ein Kulturgut? Und warum werden sie Ihrer Meinung nach immer beliebter?

Zum Kulturgut machen die Wasserhäuschen auf der einen Seite all die Punkte, die in der Frage davor genannt wurden. Vor allem ist es aber die Geschichte, die den Wasserhäuschen zur heutigen Bedeutung verhilft. Dass nun die Buden wieder interessanter für viele Menschen werden, liegt mitunter daran, dass wir es in den vergangenen Jahren erfolgreich geschafft haben, das Image aufzupolieren. Und zwar nicht mit simplem Schönreden, sondern mit Aufklärung. Viel wichtiger jedoch sind die frischen Konzepte der Betreiberinnen und Betreiber, die mit innovativen Ideen neuen Wind in das Wasserhäuschenleben bringen. Wir beobachten das mit, sagen wir mal, Dreiviertel lachendem Auge und einem Viertel eines eher bedächtigen und vorsichtigen Auges: Denn das Stichwort „Gentrifizierung“ trifft eben nicht nur auf Stadtteile zu, sondern kann sich auch blitzschnell im Mikrokosmos Wasserhäuschen sehr negativ auswirken.

Das genaue Programm und wer mitmacht unter: www.wasserhäuschentag.de
/programm